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  Covenant Newsletter November 2017  
       
 
"Wir betrachten Nachhaltigkeit als einen Motor für Gesellschaft und Wirtschaft"
Interview mit dem stellvertretenden Bürgermeister von Amsterdam Abdeluheb Choho
 
   

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Die Stadt Amsterdam ist dem Konvent der Bürgermeister in 2009 beigetreten und hat sich dem Ziel einer 40-prozentigen Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2025 verschrieben. Erzählen Sie uns bitte mehr über die langfristige Vision Ihrer Stadt in Bezug auf Klima und Energie.

Amsterdam ist ein engagierter Unterstützer des Pariser Klimaabkommens und von ganzheitlichen Nachhaltigkeitskonzepten. Wir betrachten Nachhaltigkeit als einen Motor für Gesellschaft und Wirtschaft. Daher strebt Amsterdam danach, langfristig vollkommen frei von fossilen Treibstoffen und unabhängig von Kohle, Öl und Gas zu werden. Das Ergebnis wird eine kreative und vielfältige Stadt sein, die wirtschaftlich und sozial stark ist und ein gesundes Lebensumfeld bietet.

Die Stadt Amsterdam hat sich zum Spitzenreiter bei der Bekämpfung des Klimawandels positioniert, indem sie die mutige Entscheidung getroffen hat, bis 2050 stufenweise aus der Nutzung von Erdgas als Heizstoff auszusteigen. Wir haben diese Entscheidung getroffen, ohne genau zu wissen, wie wir unser Ziel erreichen können. Aber wenn man nicht irgendwann mal anfängt, findet man nie heraus, wie man es am besten angeht! Man muss sich Ziele und zeitliche Fristen stellen, um klarzustellen, was man in Bezug auf wichtige Fragen wie Klimawandel, Luftverschmutzung und Rohstoffknappheit erreichen will. Die wahre Herausforderung ist es allerdings, aktiv zu werden: Man muss über Visionen und Szenarien hinausgehen und zusammen mit zahlreichen beteiligten Interessenvertretern pragmatische Maßnahmen in der Stadt einleiten.

Die Stadtverwaltung hat eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsagenda verabschiedet, die sich auf fünf Prioritäten konzentriert: (1) Energieeinsparung und saubere Energieversorgung für Strom und Heizung, (2) breit angelegte Konzepte für die Kreislaufwirtschaft, (3) saubere und gesunde Luft, (4) städtische Klimaanpassung und (5) mit gutem Beispiel durch eine nachhaltige Organisation der Stadtverwaltung vorangehen. Um diese Ziele zu erreichen, unterstützen wir Bürgerinitiativen und arbeiten mit lokalen Partnern zusammen, wie etwa NGOs, Unternehmen und Experten. Wir arbeiten auch mit wichtigen Interessenvertretern wie Wohnungsbaugesellschaften, Energienetzbetreibern und Heizunternehmen in einer sogenannten Stadtvereinbarung zusammen. Im Rahmen dieser öffentlich-privaten Partnerschaft haben die Wohnungsbaugesellschaften zugesagt, bis Ende 2017 10.000 Wohneinheiten zu bestimmen, wo deren Bewohner mit der Stadt Amsterdam einen Dialog beginnen werden über die Frage, wie und wann man die Gasversorgung abschalten kann. Zurzeit ziehen wir die folgenden Alternativen zu Erdgas in Betracht: Fernwärme, Nullenergiesysteme, Erdwärme und Biogas.

Unsere Stadt arbeitet mit einem Stadteilmodell. Jeder Stadtteil hat seine eigenen Merkmale, es gibt keine Universallösung. Allerdings haben wir für den Übergang zu einer 100 % nachhaltigen Energieversorgung einige Grundsätze festgelegt: Erschwinglichkeit, Nachhaltigkeit, Offenheit und Raum für alternative Heizsysteme pro Stadtteil.

Was waren die größten Schwierigkeiten, die Ihnen bei der Entwicklung und Einführung dieser Strategie begegnet sind? Was sind Ihrer Meinung nach die besten Lösungen, diese zu bewältigen?

Es gab verschiedene Arten von Hindernissen. Aus sozioökonomischer Sicht betrifft die Energiewende hin zu einem nachhaltigen Amsterdam eine große Anzahl von Menschen. Es ist ein kollektiver Wechsel und bedarf der Unterstützung aller Bürger. Daher braucht man eine gemeinsame ’Denkweise’. Indem man die Stadtbewohner in einem frühen Stadium informiert und miteinbezieht, kann man mögliche Ängste, Widerstände und Fallen vermeiden. Wir würden eine nationale Kampagne, in der die Dringlichkeit des Themas den niederländischen Bürgern auf nationaler Ebene deutlich gemacht wird, sehr begrüßen. Darüber hinaus ist es von entscheidender Bedeutung, dass wir erschwingliche Alternativen für Erdgas anbieten. Der Preis für Erdgas ist heute in den Niederlanden relativ niedrig. Die alternativen Heizmittel, die die Stadt bis jetzt gefunden hat, können kaum mit diesem Preis konkurrieren, sie sind meistens teurer. Daher hat die Stadt Amsterdam sich auf nationaler Ebene dafür eingesetzt, dass die Regierung eine Energiesteuer auf Erdgas erhebt.

Außerdem stellt sich heraus, dass die Gesetzgebung der Energiewende manchmal im Weg steht. Momentan sprechen die niederländischen Gesetze immer noch allen Bürgern das Recht zu, ihr Haus über Erdgas zu heizen. Das bedeutet, dass ein gesetzliches Mandat für den Anschluss von Haushalten an das Erdgasnetz besteht. Es gibt aber kein gesetzliches Mandat, Haushalte vom Netz abzukoppeln, wenn ein alternatives Heizsystem verfügbar ist. Als lokale Regierung muss die Stadt Amsterdam innerhalb dieses eingeschränkten gesetzlichen Rahmens handeln. Wir fordern mehr finanzielle und gesetzliche Mittel, um unsere politischen Maßnahmen und somit unsere Energiewende durchzusetzen.

Ich habe unsere Strategie für den stufenweisen Ausstieg aus der Erdgasheizung als ein Beispiel verwendet, aber die Schwierigkeiten, denen wir dabei begegnen, gibt es auch auf dem Gebiet der Energiewende im Allgemeinen. Die Städte schließen die Lücke zwischen globale Zielen – wie dem Pariser Klimaabkommen – und Maßnahmen auf lokaler Ebene. Jetzt wird es Zeit für die Implementierung. Als Lokalpolitiker müssen wir den Mut haben, einen Schritt weiter auf dem Weg zur Einführung von Strategien für eine Zukunft frei von fossilen Brennstoffen zu gehen. Ich weiß, es braucht Mut, um ehrgeizige Maßnahmen zu treffen, strukturelle Änderungen der Energiesysteme unserer Städte zu beschließen und einen Anfang zu machen, auch wenn der genaue Weg noch nicht klar sichtbar ist. Aber wir wissen, in welche Richtung wir gehen müssen.

Wie hat die Mitgliedschaft im Konvent der Bürgermeister Amsterdam bei der Einführung seiner Energie- und Klimamaßnahmen geholfen?

In ganz Europa und im Rest der Welt spielen Städte eine führende Rolle bei der Lösung von Problemen der Gegenwart, und sie können nationale und supranationale Regierungen dazu anhalten, noch ehrgeizigere Ziele durchzusetzen. Die Energiewende in Amsterdam, wie in jeder anderen Stadt, ist eine sehr komplexe Aufgabe. Sie verlangt Zusammenarbeit auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Der Konvent der Bürgermeister ist eine geeignete Plattform für Zusammenarbeit, Peer-Learning und Erfahrungsaustausch, etwas, was die Stadt Amsterdam sehr schätzt.

Die Energiewende geht über unsere eigenen Grenzen hinaus, daher ist internationale Zusammenarbeit notwendig, um diese Herausforderung zu meistern. Indem er zahlreiche Tools und Gelegenheiten zur Netzwerkbildung zur Verfügung stellt, gibt der Konvent der Bürgermeister der Stadt Amsterdam die Möglichkeit, sich von Maßnahmen, die in anderen Städten bereits implementiert wurden, inspirieren zu lassen. Der Konvent der Bürgermeister ist eine Plattform, auf der städtische Probleme und Lösungen aufeinandertreffen! Obwohl die Situation von Stadt zu Stadt manchmal sehr unterschiedlich ist, ist der Austausch von bewährten Verfahren äußerst wertvoll. Als Stadt teilen wir auch gerne unser Wissen, vor allem auf dem Gebiet von Elektromobilität, mit der Konventgemeinde. In Amsterdam betrachten wir unsere Stadt als Labor für Experimente. Städte sind die Orte, in denen Innovationen stattfinden!

© photo Veronika Galkina, shutterstock.com

 
     
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